Züchterleid

Wenn man durchs Internet surft und die vielen Hundezüchterseiten besucht, so wird immer von dem beglückenden Erlebnis der Hundegeburt und der Freude an der Welpenaufzucht geschrieben. Das sind Erlebnisse, die auch ich so empfand bis - ja bis zum “L-Wurf” von meiner Dimanchelle.

Begonnen hat alles eigentlich ganz normal - jedenfalls dachte ich es wäre alles normal - ohne langer Eröffnungsphase platze die äußere Fruchtblase und ich wartete auf den Beginn der Preßwehen. Elli war sehr unruhig (wie immer in dieser Phase) ließ mich nicht aus dem Zimmer und jammerte. Es war alles wie immer. Ich saß neben ihrer Wurfkiste und wartete - der Tierarzt war natürlich verständigt und er war in Bereitschaft. Es kamen aber keine Presswehen. Am Morgen noch ein Schwall Fruchtwasser weiter tat sich nichts. Doch nun packte ich die Hündin ins Auto und wir fuhren zum Tierarzt in die Ordination. Ein kurzes Röntgen zeigte, daß ein Welpe fast im Geburtskanal lag. Er gab eine Wehenspritze, doch es kamen noch immer keine Wehen. Nun entschloß sich der Tierarzt zum Kaiserschnitt.
Da war die Bescherung nun zu sehen. Die Gebärmutter war gedreht und versprerrte den Weg nach außen. Der Welpe war schon tot. Rasch wurden 5 weitere Welpen geboren und auch die Gebärmutter entfernt. 4 Welpen waren sehr vital, bloß der Kleinste war sehr schwach und verstarb am nächsten Tag.
Doch auch Dimanchelle erholte sich nicht so wie es sein sollte. Sie pflegte zwar Ihre Welpen vorbildlich aber wirklich gut ging es ihr nicht. Sie bekam eine Eklampsie die sofort vom Tierarzt behandelt wurde. Noch dazu machte sie sich an ihrer Naht zu schaffen und ich sorgte mich wegen einer möglichen Infektion. Die Zunahmen der Welpen waren auch nicht so, wie ich es sonst gewohnt bin. 7 Tage nach der Geburt hatte sie plötzlich hohes Fieber, wieder Fahrt zum Tierarzt. Als ich sie dort aus der Box heben wollte war da alles voll Blut. Es stellte sich heraus, daß sich ein “Aneurysma” (Erweiterung eines arteriellen Blutgefäßes) durch die gedrehte Gebärmutter gebildet hatte welches riß. Der Riß mündete in die Scheide. Sofort kam sie auf den Operationstisch. Natürlich hatte sie sehr viel Blut verloren und war sehr schwach. Den 3. Herzstillstand hat sie nicht überlebt. Elli war tot! Nachträglich stellt sich auch noch heraus, daß eine Zitze verhärtet und total vereitert war. Der Grund für das Fieber.
Alles was ich nun tat, geschah wie in Trance. Ich hatte zu Hause 4 Welpen, gerademal eine Woche alt die nichts zu trinken hatten. Nun begann die mühevolle Arbeit des Fütters mit der Flasche! Es hat Stunden gedauert, bis ich alle soweit hatte, daß sie etwas Welpenmilch annahmen.

Taktik mit den angenommenen Welpen

Ich überlegte wegen einer Amme - da fiel mir ein, daß Taktik doch zur selben Zeit wie Dimanchelle läufig gewesen ist, also könnte sie scheinträchtig sein. Taktik hatte tatsächlich ein wenig Milch. Es schien ein Hoffnunsschimmer am Horizont. Taktik hat ganz problemlos die Welpen angenommen und gepflegt und gesäugt - ergänzend wurden sie mit der Flasche gefüttert bis die Milch von Taktik ausreichte. Nun konnten wir endlich aufatmen. Das Leben normalisierte sich, die Welpen nahmen gut zu, alles schien in Ordnung.
11 Tage nach Ellis Tod war Taktik plötzlich krank. Durchfall, Erbrechen, Fieber. Als ich sie hochhob spürte ich eine große harte Fläche um eine Zitze. Das kann doch nicht sein, ich hatte ständig das Gesäuge kontrolliert. Ab zum Tierarzt - es war eine infektiöse Mastitis. Hervorgerufen durch einen der Welpen der die Infektion von der Geburt (toter Welpe) an Taktik weitergegeben hat. Wir konnten es alle nicht fassen. Taktik durfte ab sofort nicht mehr die Welpen säugen. Zum Glück waren sie beim Flaschentrinken schon williger und langsam konnte ich beginnen zuzufüttern. Doch Taktik war schwerkrank. Das Gewebe um die Zitze löste sich förmlich auf, alles war vereitert und nur langsam heilte das Gewebe dank der Unterstützung und Behandlung von unserem Tierarzt wieder ab.
Taktik hat trotzdem die Welpen gepflegt, erzogen und mit ihnen gespielt. Sie ist eine vorbildliche Mutter. Eine solche Hündin kann sich nur jeder Züchter wünschen. 4 Wochen lang dauerte das Abheilen, bis Taktik endlich wieder ohne Verband, ohne Trichter bzw. ohne Halskrause herumlaufen durfte.

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Das Gesäuge von Taktik ist wieder vollkommen hergestellt, dank der hervorragenden Betreuung unseres Tierarztes.

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